Autographen und Buecher

 

"Die übersandten Blätter sind mir von unendlichem Werth; denn da mir die sinnliche Anschauung durchaus unentbehrlich ist, so werden mir vorzügliche Menschen durch ihre Handschrift auf eine magische Weise vergegenwärtigt."

 

Johann Wolfgang von Goethe





Mondmeer in den Fenstern

Schöne Autographen 

"Ich möchte einsame Ruhe haben", danach sehnt sich Else Lasker-Schüler, W.G. Sebald spielt "Indianer" mit Herbert Achternbusch, für Ödön von Horváth sind Stierkämpfe "das widerlichste, ekelerregendste, was ich jemals gesehen habe". Thomas Mann ist "mit der Musik auf gutem Fuße" und Richard Strauss schwelgt in "Urlaub und Faulheit". Zweifellos, sobald das Wetter sonniger und wärmer wird, wünschen wir uns Freizeit, Müßiggang und schöne Autographen. Von Letzteren bietet unser neuer Katalog 177 eine ganze Reihe äußerst seltener und interessanter Schriftstücke, darunter Briefe und Widmungsexemplare von Marie Curie, dem "ollen Chef" Erich Kästner, Rainer Maria Rilke, Max Nordau, Knut Hamsun, Edvard Grieg, C. F. Gellert, Stefan Zweig, Walter Benjamin, darüber hinaus Goethes Todesanzeige und eine absolute Rarität: ein seltener eigenhändiger Brief Voltaires, der eine Luxusausgabe des "Zadig ou La Destinée" trüffelt, gebunden in einen Meistereinband von Charles Meunier für den Genfer Anwalt und Büchersammler Fréderic Raisin. Schöner geht's nicht.

Mondmeer in den Fenstern - Schöne Autographen. Katalog 177. Tutzing, April 2018. 36 Seiten. 80 Nummern.

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Katalog 177. Mondmeer in den Fenstern


Liebesbriefe an ein "kleines Sexpony"

Katalog 175. Briefe, Bücher, Gedichtmanuskripte 

Liebesbriefe an ein "kleines Sexpony",  "unaufgelöste Dissonanzen", Freitod - "Am Baum der Menschheit drängt sich Blüth’ an Blüthe", schreibt Freiligrath in seinem Gedichtmanuskript und liefert damit den roten Faden, der fast alle der 86 angebotenen Briefe und Gedichtmanuskripte von Kurt Weill, Franz Liszt, Rainer Maria Rilke, C. F. Gellert, Edvard Grieg, Knut Hamsun, Conradin Kreutzer, Arno Schmidt, Igor Strawinsky, Ludwig Tieck, Else Lasker-Schüler (ungedruckt), Stefan Zweig u.v.a. durchzieht, die in Katalog 175 angeboten werden. Das menschliche Leben - und Schreiben - steckt voller Tragiken. Wernher von Braun gedenkt fern der Heimat seiner Heimat, Hans von Bülow befürchtet, "als Invalide auftreten zu müssen, der den löbl. philharmonischen Leierkasten dreht", Otto Hahn bekennt "Frl. Meitner habe ich auch angepflaumt" und Gottfried Keller liefert den aktuellen Wetterbericht: "unbeständig, zeitweise windig und regnerisch". Trotz oder gerade wegen dieses brieflich angesammelten alltäglichen Wahnsinns wünschen wir Ihnen ein Frohes Osterfest, endlich einen Frühlingsanfang und eine vergnügliche Kataloglektüre.

"O Sternenfall" - Briefe, Bücher, Gedichtmanuskripte. Katalog 175. Tutzing, März 2018. 36 Seiten.

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Ein Meilenstein auf dem Weg ins Spätwerk

Das Manuskript eines der außergewöhnlichsten und bewegendsten Gedichte Rainer Maria Rilkes

Rainer Maria Rilke (1875-1926). Eigenh. Gedichtmanuskript (20 Zeilen) ohne U. Ohne Ort und Jahr [München, 9. XI. 1915. 8°. 1 Seite. 

€ 15000,-

Eines der außergewöhnlichsten und bewegendsten Gedichte Rilkes: "Der Tod. || Da steht der Tod, ein bläulicher Absud | in einer Tasse ohne Untersatz [...] O Sternenfall, von einer Brücke einmal eingesehn - : | Dich nicht vergessen. Stehn!" - Die sehr schöne Niederschrift war vermutlich für den Münchener Schauspieler Albert Steinrück gedacht, den Rilke in der Rolle des "Woyzeck" bewundert hatte. Am 9. November 1915 schrieb Rilke an Eva Cassirer: "'Ich kann Ihnen die Abschrift eines merkwürdigen Gedichtes beilegen, das mir heute, völlig unvermuthet, gelungen ist ... (Übrigens schenk ichs, einem plötzlichen Impuls nachgebend, dem Schauspieler Steinrück.)." Ursprünglich hatte Rilke das Gedicht in das "blaue Buch" der Fürstin Marie von Thurn und Taxis (1855-1934) eingeschrieben, gedruckt erschien es im "Insel- Almanach auf das Jahr 1919". - Mit eindrucksvoller Metaphorik thematisiert Rilke den Freitod, der "bläuliche Absud" deutet auf eine Vergiftung mit Zyankali hin. Das Gedicht wurde unter dem Eindruck der zahlreichen Todesnachrichten aus dem ersten Jahr des Ersten Weltkrieges niedergeschrieben (kurze Zeit darauf wurde Rilke selbst gemustert und für tauglich befunden), darüber hinaus zeigt es deutliche Parallelen zum Werk Leo Tolstois. Am Tag vor der Niederschrift heißt es am 8. November in der Rilke-Chronik: "Langer Brief über den 'Malte' an Lotte Hepner. Rilke rät ihr, Tolstois Erzählung 'Der Tod des Iwan Iljitsch' zu lesen [...] Über den Tod heißt es im Zusammenhang mit Tolstoi: 'deshalb konnte dieser Mensch so tief, so fassungslos erschrecken, wenn er gewahrte, daß es irgendwo den puren Tod gab, die Flasche voll Tod oder diese häßliche Tasse mit dem abgebrochenen Henkel und der sinnlosen Aufschrift 'Glaube, Liebe, Hoffnung', aus der einer Bitternis des unverdünnten Todes zu trinken gezwungen war ..." (S. 513). Aber das Gedicht besticht nicht nur wegen der beklemmend in Szene gesetzten Todesthematik: "Rilkes Abkehr von der impressionistischen Klang- und Stimmungskunst ist [hier] offenkundig vollzogen. Die Hinwendung zu einer Art Symbolismus führt zu expressiver Bildlichkeit und gewagter Stilistik [...] Fast dadaistisch wirkt der freilich ernstgemeinte weithergeholte, aller Konvention widerstreitende Reim 'Gelall | O Sternenfall'. Devianz und Verfremdung [...] deuten sich an. Das Gedicht ist 'einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg ins Spätwerk' " - Zuletzt 1968 versteigert bei Stargardt Auktion 585, Nr. 239. - Vgl. Schnack, Rilke-Chronik, 2009, S. 513; Beda Allemann, 1961, S. 79; ausführlicher Kommentar in Hans Hiebel, Das Spektrum der modernen Poesie, Bd. I, 2005, S. 208-12. 

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25. bis 27. Januar 2019

58. Stuttgarter Antiquariatsmesse

Wer nicht bis an den Starnberger See reisen möchte (Besuche nach vorheriger Anmeldung sind gern gesehen), trifft uns auf vielen Antiquariatsmessen, zum Beispiel in Stuttgart oder Frankfurt, oder auf dem Antiquariatstag in Regensburg. Dort zeigen wir eine Auswahl seltener und bemerkenswerter Autographen von Künstlern, Literaten, Musikern, Philosophen, Wissenschaftlern, Politikern und weiteren Personen von kulturhistorischer Bedeutung.

Halten Sie Ausschau nach unserem "Weltanschauungsobjekt"!


Achtung! Achtung! Neuigkeiten vom Starnberger See

Die Kunst des Kompositums

Donnerstag ist ein besonderer Tag. Donnerstag ist Buchhaltungstag. Donnerstag kommt Irmi und bringt die Buchhaltungsordner in Ordnung. Nur so zeigt sich der Steuerberater bereit, die Umsatzzahlen an das Finanzamt weiterzureichen, was zumeist zu einer Steuernachzahlung führt, die einen erneuten Buchungsbeleg generiert, den Irmi an einem der nächsten Donnerstage mit allen anderen Belegen aufs Neue abheftet. Was interessiert das Finanzamt Starnberg III schon die Schönheit der Briefe und Manuskripte von Thomas Mann oder Marcel Proust, wo doch ein Bewirtungsbeleg aus der Tutzinger Filmtaverne auch ein durchaus anständiges, eigenhändig signiertes Schriftstück mit gedrucktem Briefkopf darstellt? Noch dazu vorsteuerabzugsfähig. In Deutschland muss alles seine Ordnung haben, weshalb sich Antiquare mindestens einmal pro Woche mit Umsatzsteuervorauszahlungen, Gewerbesteuerpauschalen, Differenzbesteuerungen und Sozialversicherungsabgaben herumschlagen.

Keine Idee, worum es geht?

Unter → autographen.blogspot.de gibt es Aufklärung und weitere Neuigkeiten vom Starnberger See.





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