Autographen und Buecher

 

"Die übersandten Blätter sind mir von unendlichem Werth; denn da mir die sinnliche Anschauung durchaus unentbehrlich ist, so werden mir vorzügliche Menschen durch ihre Handschrift auf eine magische Weise vergegenwärtigt."

 

Johann Wolfgang von Goethe





Joseph Victor von Scheffel

Sammelstücke 

"Es sind jetzt bald 14 Tage, daß ich auf Hohentwiel festsitze - die Situation ist eigenthümlich, ich hab schon manchmal eine Art Vergleich mit Capri angestellt", schreibt Victor von Scheffel 1854 an seine Mutter. Den vierseitgen Brief schmückt er mit vielen persönlichen Details und einem zauberhaften Aquarell vom Hohentwiel. In einem Skizzenbuch aus den Jahren 1864 und 1865 hält Scheffel die wichtigsten Ereignisse fest: "Hochzeitsreise | Einrichtung in Seeon. | Tod der Mutter 5 febr. 65. | Carlsruhe". Und unter einer Originalfotografie aus Karlsruhe1866 notiert er, man habe ihn "zu einer 'interessanten Haltung' emporgeschraubt."

Joseph Victor von Scheffel - Sammelstücke. Katalog 179A. Tutzing, Juni 2018.

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"La Destinée"

Rudolf Steiner, Horváth, Voltaire und andere 

"Selbst Kühlschränke bitten jetzt ihre Besitzer um Zustimmung zu den neuen Datenschutz-Regeln", schreibt heute die Süddeutsche Zeitung. Auch wir nehmen den Datenschutz natürlich sehr ernst und hoffen sehr, dass Sie sich auch weiterhin freuen, wenn wir Sie über aktuelle Kataloge mit interessanten Briefen und Manuskripten aus unserem Angebot informieren.

Heute geht es um Katalog 179 mit 80 Autographen, in denen Philosophen, Literaten, Musiker und Künstler alltägliche und existenzielle Fragen berühren. Rudolf Steiner möchte im Juli 1921 in Darmstadt einen Vortrag halten, weiß aber nicht, ob er alle nötigen Transitvisa und Papiere rechtzeitig erhalten wird. Der seltene eigenhändige Brief des Anthroposophen zeigt, wie streng reglementiert Reisen nach dem Ersten Weltkrieg waren. Voltaire widmet sich dem Schicksal, "La Destinée", hier in einem splendiden Luxusdruck in einem Meistereinband von Charles Meunier mit einem beigebundenen eigenhändigen Brief. Ödön von Horváth recherchierte vor Ort für sein Volksstück "Die Bergbahn" über die schlechten Arbeitsbedingungen beim Bau der Zugspitzbahn und berichtet darüber in einem eigenhändigen Brief vom Januar 1929. Nelly Sachs sucht brieflich "eine endgültige Heimat", Franz Liszt fragt: "Genügt es nicht, sein Leben durch- und abzuleben?", und Gottfried Benn zweifelt: "Ist Altwerden eigentlich ein Glück?" Den Schlusspunkt des mit Autographen-Raritäten von Curie, Fontane, Grieg, Max Nordau, Igor Stravinsky, Erich Kästner und anderen getrüffelten Kataloges setzt Herbert Achternbusch: "ich putzte mit einem Taschentuch seinen Namen".

"La Destinée" - Rudolf Steiner, Horváth, Voltaire und andere. Katalog 179. Tutzing, Mai 2018. 36 Seiten. 80 Nummern. Illustriert.

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Die Welt von Gottfried Benn

Nachlass Marguerite Schlüter 

Katalog 178 enthält Briefe, Manuskripte und Bücher, Fotografien und Schallplatten von Gottfried Benn und aus seinem familiären Umkreis, darüber hinaus zahlreiche Briefe von Freunden, Freundinnen und Weggefährten des Dichters mit zum Teil überraschenden und interessanten Erinnerungen, Einschätzungen und Detailinformationen zum Werk und zur Person Gottfried Benns. All diese Briefe wurden im Zusammenhang mit der Ausgabe von Benns Briefen geschrieben, die 1957 im Limes Verlag erschien und von seiner langjährigen Lektorin betreut wurde. Marguerite Schlüter (1928-2018) trat 1949 in den von Max Niedermayer 1945 gegründeten Limes Verlag ein. Sie avancierte schnell zur rechten Hand des Verlegers, zur Prokuristin und alleinigen Lektorin Gottfried Benns, dem Haus- und Hauptautor des Verlages. Als Herausgeberin von Benns Briefen und Briefwechseln hat sie sich einen bleibenden Namen gemacht. Einem Teil ihres Nachlasses ist dieser Katalog gewidmet, der nicht nur einen teils unerwarteten Blick auf Gottfried Benn als Dichter seiner Zeit wirft, sondern auch das Leben und Wirken einer bemerkenswerten "femme des lettres" (Carsten Pfeiffer) dokumentiert.

Die Welt von Gottfried Benn - Nachlass Marguerite Schlüter. Katalog 178. Tutzing, Mai 2018. 68 Seiten. 173 Nummern. Mit einem Nachwort von Carsten Pfeiffer

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Ein Meilenstein auf dem Weg ins Spätwerk

Das Manuskript eines der außergewöhnlichsten und bewegendsten Gedichte Rainer Maria Rilkes

Rainer Maria Rilke (1875-1926). Eigenh. Gedichtmanuskript (20 Zeilen) ohne U. Ohne Ort und Jahr [München, 9. XI. 1915. 8°. 1 Seite. 

€ 15000,-

Eines der außergewöhnlichsten und bewegendsten Gedichte Rilkes: "Der Tod. || Da steht der Tod, ein bläulicher Absud | in einer Tasse ohne Untersatz [...] O Sternenfall, von einer Brücke einmal eingesehn - : | Dich nicht vergessen. Stehn!" - Die sehr schöne Niederschrift war vermutlich für den Münchener Schauspieler Albert Steinrück gedacht, den Rilke in der Rolle des "Woyzeck" bewundert hatte. Am 9. November 1915 schrieb Rilke an Eva Cassirer: "'Ich kann Ihnen die Abschrift eines merkwürdigen Gedichtes beilegen, das mir heute, völlig unvermuthet, gelungen ist ... (Übrigens schenk ichs, einem plötzlichen Impuls nachgebend, dem Schauspieler Steinrück.)." Ursprünglich hatte Rilke das Gedicht in das "blaue Buch" der Fürstin Marie von Thurn und Taxis (1855-1934) eingeschrieben, gedruckt erschien es im "Insel- Almanach auf das Jahr 1919". - Mit eindrucksvoller Metaphorik thematisiert Rilke den Freitod, der "bläuliche Absud" deutet auf eine Vergiftung mit Zyankali hin. Das Gedicht wurde unter dem Eindruck der zahlreichen Todesnachrichten aus dem ersten Jahr des Ersten Weltkrieges niedergeschrieben (kurze Zeit darauf wurde Rilke selbst gemustert und für tauglich befunden), darüber hinaus zeigt es deutliche Parallelen zum Werk Leo Tolstois. Am Tag vor der Niederschrift heißt es am 8. November in der Rilke-Chronik: "Langer Brief über den 'Malte' an Lotte Hepner. Rilke rät ihr, Tolstois Erzählung 'Der Tod des Iwan Iljitsch' zu lesen [...] Über den Tod heißt es im Zusammenhang mit Tolstoi: 'deshalb konnte dieser Mensch so tief, so fassungslos erschrecken, wenn er gewahrte, daß es irgendwo den puren Tod gab, die Flasche voll Tod oder diese häßliche Tasse mit dem abgebrochenen Henkel und der sinnlosen Aufschrift 'Glaube, Liebe, Hoffnung', aus der einer Bitternis des unverdünnten Todes zu trinken gezwungen war ..." (S. 513). Aber das Gedicht besticht nicht nur wegen der beklemmend in Szene gesetzten Todesthematik: "Rilkes Abkehr von der impressionistischen Klang- und Stimmungskunst ist [hier] offenkundig vollzogen. Die Hinwendung zu einer Art Symbolismus führt zu expressiver Bildlichkeit und gewagter Stilistik [...] Fast dadaistisch wirkt der freilich ernstgemeinte weithergeholte, aller Konvention widerstreitende Reim 'Gelall | O Sternenfall'. Devianz und Verfremdung [...] deuten sich an. Das Gedicht ist 'einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg ins Spätwerk' " - Zuletzt 1968 versteigert bei Stargardt Auktion 585, Nr. 239. - Vgl. Schnack, Rilke-Chronik, 2009, S. 513; Beda Allemann, 1961, S. 79; ausführlicher Kommentar in Hans Hiebel, Das Spektrum der modernen Poesie, Bd. I, 2005, S. 208-12. 

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25. bis 27. Januar 2019

58. Stuttgarter Antiquariatsmesse

Wer nicht bis an den Starnberger See reisen möchte (Besuche nach vorheriger Anmeldung sind gern gesehen), trifft uns auf vielen Antiquariatsmessen, zum Beispiel in Stuttgart oder Frankfurt, oder auf dem Antiquariatstag in Regensburg. Dort zeigen wir eine Auswahl seltener und bemerkenswerter Autographen von Künstlern, Literaten, Musikern, Philosophen, Wissenschaftlern, Politikern und weiteren Personen von kulturhistorischer Bedeutung.

Halten Sie Ausschau nach unserem "Weltanschauungsobjekt"!


Achtung! Achtung! Neuigkeiten vom Starnberger See

Die Kunst des Kompositums

Donnerstag ist ein besonderer Tag. Donnerstag ist Buchhaltungstag. Donnerstag kommt Irmi und bringt die Buchhaltungsordner in Ordnung. Nur so zeigt sich der Steuerberater bereit, die Umsatzzahlen an das Finanzamt weiterzureichen, was zumeist zu einer Steuernachzahlung führt, die einen erneuten Buchungsbeleg generiert, den Irmi an einem der nächsten Donnerstage mit allen anderen Belegen aufs Neue abheftet. Was interessiert das Finanzamt Starnberg III schon die Schönheit der Briefe und Manuskripte von Thomas Mann oder Marcel Proust, wo doch ein Bewirtungsbeleg aus der Tutzinger Filmtaverne auch ein durchaus anständiges, eigenhändig signiertes Schriftstück mit gedrucktem Briefkopf darstellt? Noch dazu vorsteuerabzugsfähig. In Deutschland muss alles seine Ordnung haben, weshalb sich Antiquare mindestens einmal pro Woche mit Umsatzsteuervorauszahlungen, Gewerbesteuerpauschalen, Differenzbesteuerungen und Sozialversicherungsabgaben herumschlagen.

Keine Idee, worum es geht?

Unter → autographen.blogspot.de gibt es Aufklärung und weitere Neuigkeiten vom Starnberger See.





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  Eberhard Köstler
Autographen & Bücher oHG
Traubinger Straße 5 (Postanschrift)
Kirchenstraße 8 (Ladenanschrift)
82327 Tutzing

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